Warum Dachschrägen oft Stauraum fressen (und wie Sie das drehen)
Dachschrägen sehen gemütlich aus, sind aber beim Einrichten gnadenlos: Normschränke passen nicht, Schubladen kollidieren, und am Ende bleiben unzugängliche Dreiecke. Die typische Folge ist „Zwischenlager-Stauraum“: Kisten stapeln, Staub sammeln, nichts wiederfinden.
Die gute Nachricht: Sie brauchen in vielen Fällen keinen teuren Schreiner. Mit einer sauberen Vermessung, der richtigen Aufteilung (Module statt „ein Klotz“) und einer Türstrategie, die zur Schräge passt, bekommen Sie einen Einbauschrank, der sich wie maßgefertigt anfühlt.
Wichtig ist, dass Sie zuerst Funktion und Zugriff planen (Was muss wie oft greifbar sein?), dann Maße und erst danach Optik. So vermeiden Sie tote Ecken und Türen, die ständig im Weg sind.
| Lösung | Wann sinnvoll | Budget grob |
| Modulschränke mit Sockel + Verblendung | Gerade Kniestockwand, leichte Unebenheiten | 600-1.800 EUR |
| Offene Korpusse + Vorhang/Schiebetür davor | Sehr wenig Tiefe, häufige Nutzung | 250-900 EUR |
| Komplette Trockenbaufront mit Revisionstüren | Maximal ruhige Optik, Technik dahinter | 900-3.000 EUR |

Schritt 1: Richtig messen (die 5 Maße, die wirklich zählen)
Bei Dachschrägen ist „Breite x Höhe x Tiefe“ zu wenig. Sie brauchen ein kleines Messprotokoll, sonst passen Türen, Schubladen oder Kleiderstangen später nicht.
Diese Maße sollten Sie aufnehmen
- Breite der Nische an Boden und auf 100 cm Höhe (Altbauwände sind selten parallel).
- Kniestockhöhe (senkrechte Wand bis zur Schräge). Das ist Ihr „Arbeitsfenster“ für Türen und Schubladen.
- Schrägenwinkel oder praxisnah: Tiefe bei 50 cm, 100 cm und 150 cm Höhe messen. Damit planen Sie Innenleben ohne Kollision.
- Fußleisten, Heizkörper, Steckdosen Position und Aufbauhöhe. Sockel und Rücksprung einplanen.
- Störpunkte wie Dachfenster, Sparrenvorsprünge, Revisionsklappen, Kaminzüge.
Praxis-Tipp: Legen Sie Malerkrepp am Boden als „Schrankkante“. So sehen Sie sofort, wo Laufwege zu eng werden. Als Mindestmaß im Schlafzimmer funktionieren oft 60 cm Durchgang, komfortabel sind 75-90 cm.
Schritt 2: Nutzung festlegen (damit die Schräge nicht Ihr Zugriffskiller wird)
Die Schräge bestimmt, was Sie in welcher Zone lagern. Wenn Sie einfach nur „Stauraum“ bauen, endet es in schwer erreichbaren Tiefen.
Die Zonenlogik: vorne häufig, hinten selten
- Vorderer Bereich (0-45 cm Tiefe): Alltagswäsche, T-Shirts, Unterwäsche, Accessoires. Hier lohnen sich Auszüge und Körbe.
- Mittelzone (45-70 cm): Schuhe in Boxen, Handtücher, Bettwäsche, Taschen. Zugriff noch gut, aber nicht für tägliches Wühlen.
- Hintere Zone (70 cm plus, wenn vorhanden): Koffer, Saisontextilien, Erinnerungsboxen. Hier besser mit beschrifteten, flachen Kisten arbeiten.
Wenn Sie Kleider aufhängen wollen: Unter einer Schräge klappt das meist nur in einem Teilbereich (nahe Giebel oder dort, wo die Höhe reicht). Planen Sie nicht „durchgehend Kleiderstange“, sondern einen klaren Hänge-Block und daneben Falt- und Kistenbereiche.
Schritt 3: Konstruktion wählen, die in deutschen Wohnungen realistisch ist
Sie haben grob drei Wege. Entscheidend sind Budget, Mietstatus und wie krumm die Flächen sind.
Variante A: Modulschränke (IKEA, Poco, Roller) plus Blenden
Das ist oft die beste Preis-Leistungs-Lösung. Sie stellen 40/50/60 cm tiefe Korpusse an die Kniestockwand und schließen oben und seitlich mit Blenden zur Schräge ab. Die Schräge selbst wird optisch „verkleidet“, der Schrank bleibt technisch gerade.
- Pro: günstig, schnell, Ersatzteile verfügbar, Innenleben flexibel.
- Contra: Blendenarbeit muss sauber sein, sonst sieht es nach Bastel aus.
Variante B: Offene Korpusse mit Vorhang oder Schiebetür davor
Ideal, wenn Sie schnell Zugriff wollen und die Schräge sehr niedrig ist. Ein Vorhang verzeiht ungerade Wände. Schiebetüren sparen Schwenkraum, brauchen aber eine saubere Laufschiene.
- Pro: sehr fehlertolerant, mietfreundlich (Vorhangschiene statt Fronten).
- Contra: weniger staubdicht, Optik hängt stark von Textil/Schiene ab.
Variante C: Trockenbaufront (ruhige Optik) mit Türen
Sie bauen eine gerade Front (Ständerwerk + Gipskarton) und setzen Türen/Revisionen ein. Das wirkt „wie Wand“, ist aber die aufwendigste Lösung. Sinnvoll, wenn Sie zusätzlich Leitungen, Verteiler oder unruhige Wandflächen kaschieren.
- Pro: sehr clean, maximal anpassbar.
- Contra: Staub, Spachteln, höheres Budget, in Miete nur mit Zustimmung.
Schritt 4: Türen und Fronten, die unter der Schräge funktionieren
Die häufigste Fehlplanung: normale Drehtüren, die gegen Bett, Kommode oder Schräge knallen. Wählen Sie die Türart nach Platz vor dem Schrank und nach Zugriffsmuster.
Türarten im Vergleich (praxisnah)
- Drehtüren: robust und günstig, brauchen aber Schwenkraum. Gut, wenn mindestens 75 cm frei vor dem Schrank bleiben.
- Schiebetüren: kein Schwenkraum, aber immer nur eine Seite offen. Wichtig: hochwertige Laufwagen, sonst ruckelt es.
- Falt- oder Faltschiebetüren: guter Kompromiss bei schmalen Durchgängen, aber mehr Beschläge und justierintensiver.
- Textil (Vorhang/Paneel): günstig, leise, schnell. Ideal für Saisonlager oder Kinderzimmer.
Front-Detail, das viel ausmacht: Griff und Kante
Unter Schrägen stoßen Hände und Kopf schneller an. Setzen Sie auf flache Griffe oder Griffleisten. Bei Hochglanzfronten sieht man unter Dachfenstern jeden Fingerabdruck; matte Folie oder Lack wirkt im Alltag ruhiger.
Schritt 5: Innenleben ohne Frust: Auszüge, Boxen, Kleiderstangen richtig setzen
Innenleben entscheidet, ob Ihr Schrank „Stauraum“ oder „funktionierendes System“ ist. Unter Dachschrägen gewinnen Auszüge fast immer gegen Fachböden, weil Sie nicht in die Tiefe kriechen müssen.
Bewährte Innenaufteilung (als Startpunkt)
- 1 Auszugsebene (unten): schwere Dinge, z.B. Jeans, Pullis, Bettwäsche. Vollauszug mit hoher Traglast, wenn möglich.
- 1-2 Körbe/Schütten: Socken, Sportzeug, Accessoires. Sichtbar, schnell, kein Chaos.
- Fachböden oben: selten genutzte Boxen, klar beschriftet.
- Hängezone nur dort, wo Höhe passt: kurz (Hemden) braucht weniger Höhe als lang (Kleider/Mäntel).
Kollisionen vermeiden: einfache Faustregeln
- Schubladen unter Schräge: Nur dort, wo die Front beim Ausziehen nicht gegen die Schräge läuft. Im Zweifel mit Pappschablone testen.
- Kleiderstange: mind. 5-7 cm Luft zur Rückwand für Bügel. Bei sehr geringer Tiefe lieber Frontauszug (Kleiderlift ist oft zu hoch).
- Staubsauger- und Besenfach: Wenn geplant, dann in den höchsten Bereich (meist am Giebel).
Schritt 6: Belüftung und Schimmelprävention hinter Schränken an Außenwänden
Dachschrägen sind oft Außenhülle. Wenn Sie dicht davor Möbel stellen, kann die Rückseite kalt werden und Feuchte kondensieren. Das betrifft besonders Schlafzimmer (viel Luftfeuchte nachts) und schlecht gedämmte Altbauten.
So bleiben Rückwand und Kleidung trocken
- 5-10 cm Luftspalt zwischen Schrankrückwand und Außenwand einplanen, wenn es der Platz erlaubt.
- Keine vollflächige Folie an kalte Wände kleben, wenn Sie nicht sicher sind, wie die Wand „arbeitet“.
- Lüftungsfuge unten/oben in der Verblendung lassen (z.B. 10-15 mm), damit Luft zirkulieren kann.
- Feuchte im Blick: Im Schlafzimmer 40-60% anpeilen. Ein kleines Hygrometer im Schrankbereich ist schnell installiert.
Realitätscheck: Wenn Sie schon jetzt muffigen Geruch oder Stockflecken in der Ecke haben, erst Ursache klären (Wärmebrücke, Luftfeuchte, falsches Lüften) und dann verbauen. Ein Schrank „verdeckt“ Probleme nur.
Schritt 7: Saubere Optik trotz krummer Wände: Blenden, Sockel, Schattenfuge
Die meisten Dachschrägen sind nicht perfekt gerade. Der Trick ist, dass Ihre Schrankfront gerade wirkt, auch wenn Wand und Schräge es nicht sind.
3 Methoden, die im Bestand funktionieren
- Blendenstreifen (Passleisten): 3-8 cm breit, an Wand anpassen, Front bleibt sauber. Besonders seitlich wichtig.
- Sockel mit Rücksprung: 2-3 cm zurückgesetzt, damit kleine Bodenunebenheiten nicht ins Auge springen.
- Schattenfuge: 5-10 mm Schattenlinie zwischen Verblendung und Schräge, wirkt wie bewusstes Detail und kaschiert Unsauberkeiten.
Wenn Sie lackieren: gleiche Farbe wie Wand wirkt integriert, Kontrastfarbe betont den Einbau. In kleinen Räumen ist „wie Wand“ meist ruhiger.

Schritt 8: Kosten realistisch planen (und wo sich Qualität lohnt)
Für Dachschrägen-Stauraum gibt es zwei typische Kostenfallen: zu viel Sondermaß und zu billige Beschläge. Fronten, die klemmen, oder Schubladen, die absacken, nerven täglich.
Grobe Budget-Spannen (typisch in DE, ohne Luxus)
- Einfach (offen + Vorhang): ca. 250-900 EUR je nach Breite und Innenausstattung.
- Modulschrank + Blenden: ca. 600-1.800 EUR, bei vielen Auszügen eher am oberen Ende.
- Trockenbaufront + Türen: ca. 900-3.000 EUR, je nach Spachtelaufwand und Türsystem.
Wofür Sie Geld ausgeben sollten
- Auszüge/Vollauszüge (Traglast, Lauf) statt superbilliger Schienen.
- Türbeschläge bei Schiebetüren (leiser Lauf, weniger Justage).
- Saubere Blenden/Passleisten (hier entscheidet sich der „eingebaut“-Look).
Schritt 9: Montage-Reihenfolge, die Stress spart
Viele bauen erst Korpusse, merken dann, dass Steckdosen oder Fußleisten stören. So gehen Sie systematisch vor:
- 1. Bereich leer räumen und Boden prüfen (schief? knarzend? ggf. Filzgleiter/Unterlagen).
- 2. Sockel-/Bodenlinie markieren (Laser oder Wasserwaage).
- 3. Korpusse stellen und ausrichten (Keile, Unterlagen, erst dann verbinden).
- 4. Innenleben grob einsetzen und Funktion testen (Auszüge, Türen, Zugriff).
- 5. Blenden/Verblendung anpassen (Schablone aus Karton hilft bei Schrägen).
- 6. Endmontage (Griffe, Dämpfer, Stopper, ggf. LED-Licht).
Typischer Profi-Trick: Erst „technisch fertig“ (läuft alles?), dann optisch schließen. Sonst müssen Sie Blenden wieder abnehmen, wenn etwas klemmt.
Podsumowanie
- Vermessen Sie nicht nur Breite und Höhe, sondern Kniestock, Tiefe auf mehreren Höhen und Störpunkte.
- Planen Sie nach Zonen: vorne täglich, hinten saisonal. Auszüge schlagen Fachböden.
- Wählen Sie die Türart nach Platz vor dem Schrank: Drehen braucht Raum, Schieben braucht gute Beschläge.
- Lassen Sie Luft an Außenwänden: Spalt, Lüftungsfuge, Feuchte kontrollieren.
- Für „Einbau-Optik“ sind Passleisten, Sockel und Schattenfuge wichtiger als teure Sondermaße.
- Montage: erst ausrichten und testen, dann verblenden.
FAQ
Welche Mindesttiefe brauche ich unter der Dachschräge für sinnvollen Stauraum?
Für gefaltete Kleidung funktionieren 40-50 cm gut. Für Kleiderbügel sind 55-60 cm besser. Wenn nur 30-35 cm möglich sind, setzen Sie auf Boxen, Körbe und flache Kisten statt „Schrankstandard“.
Sind Schiebetüren unter Dachschrägen immer die beste Lösung?
Nicht immer. Sie sparen Schwenkraum, aber Sie kommen nie an den ganzen Schrank gleichzeitig. Wenn Sie häufig sortieren oder beide Hände brauchen (Wäsche), sind Drehtüren oft praktischer, sofern der Durchgang breit genug ist.
Wie verhindere ich muffige Kleidung im Schrank an der Außenwand?
Lassen Sie möglichst 5-10 cm Abstand zur Außenwand, planen Sie Lüftungsfugen in der Verblendung und halten Sie die Raumfeuchte im Schlafzimmer bei ca. 40-60%. Bei bestehenden Flecken erst Ursache klären, dann verbauen.
Lohnt sich ein Einbauschrank vom Schreiner gegenüber Modulen?
Wenn die Geometrie extrem krumm ist, Sie jede Ecke maximal nutzen müssen oder eine sehr ruhige, fugenarme Optik wollen: ja. Für viele Standard-Dachschrägen reicht Modulbau plus saubere Blenden, oft mit deutlich besserem Budget-Nutzen.