Warum Kellergeruch entsteht: Es ist fast immer Feuchte plus organisches Material
Kellergeruch in der Wohnung ist selten „nur Geruch“. Meist steckt eine Kombination aus zu hoher relativer Luftfeuchte, kalten Oberflächen (Taupunkt) und Materialien dahinter, die Gerüche speichern: Putz, Gipskarton, Textilien, Holz, Kartons, Teppichrücken.
Typisch: Es riecht morgens stärker, nach Regen, nach dem Duschen oder wenn die Heizung aus ist. Der Geruch sitzt oft in Ecken, hinter Möbeln oder in geschlossenen Schränken.
Wichtig: Wenn Sie nur mit Duftsprays arbeiten, überdecken Sie Symptome. Ziel ist, Feuchtequellen zu finden und die Materialoberflächen so trocken zu bekommen, dass Schimmel und Bakterien keine guten Bedingungen mehr haben.
- Erster Prüfpunkt: Liegt die Raumluft regelmäßig über 60% rF?
- Zweiter Prüfpunkt: Gibt es kalte Flächen (Außenwände, Fensterlaibungen, Sockelzonen)?
- Dritter Prüfpunkt: Gibt es „Geruchsspeicher“ (Teppich, alte Polstermöbel, Kartons, feuchte Dämmung)?
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Schneller Check |
| Muffig nach Lüften im Sommer | Warme Außenluft kondensiert an kalten Wänden | rF steigt nach Stoßlüften deutlich an |
| Geruch aus Schrank/Kommode | Zu wenig Luftzirkulation an Außenwand | Rückwand fühlt sich kühler/klamm an |
| Geruch punktuell am Boden/Sockel | Feuchte im Estrich, Sockelleiste, Silikonfuge | Papiertuchtest: Oberfläche bleibt feucht |

Diagnose in 60 Minuten: So lokalisieren Sie die Ursache ohne Spezialgerät
Bevor Sie Geld in Entfeuchter, Farbe oder neue Möbel stecken, machen Sie eine kurze, systematische Suche. Sie brauchen: Taschenlampe, Küchenpapier, ggf. günstiges Hygrometer (idealerweise 2 Stück) und Ihre Nase.
Schritt 1: Geruchskarte erstellen (5 Minuten)
Gehen Sie Raum für Raum und markieren Sie die stärksten Zonen: hinter Sofa, in der Ecke an Außenwand, im Schrank, am Fenster, im Bad, im Flur bei der Wohnungstür. Kellergeruch „wandert“ oft über den Flur, weil dort weniger geheizt und gelüftet wird.
- Tür zu, 10 Minuten warten, dann Tür auf: Wird es schlagartig muffig?
- Schranktür öffnen: kommt der Geruch direkt aus dem Möbel?
- Nase nah an Sockelleiste, Fensterlaibung, Teppichkante: wo ist es am stärksten?
Schritt 2: Feuchte messen und richtig interpretieren
Ein Hygrometer ist kein Laborgerät, aber für Entscheidungen reicht es. Stellen Sie eines in die Problemzone (z.B. Ecke an Außenwand) und eines in die Raummitte. Notieren Sie 2 Werte: Temperatur und relative Feuchte (rF).
- Zielwerte Wohnräume: 40-55% rF, 19-22 °C (Schlafzimmer eher 17-19 °C, aber Feuchte im Blick).
- Warnbereich: dauerhaft über 60% rF oder starke Peaks über 70% rF.
- Typischer Fehler: „Viel Lüften“ im Sommer, obwohl draußen warm und feucht ist. Dann steigt die rF drinnen an kalten Bauteilen.
Schritt 3: Kondensationsstellen finden (ohne Wärmebildkamera)
Fahren Sie morgens oder nach dem Duschen mit der Hand über kalte Zonen: Fensterlaibung, Außenwandecke, Sockelbereich hinter Möbeln. Küchenpapier anpressen: bleibt es klamm, haben Sie eine Feuchteproblematik an der Oberfläche.
- Fensterdichtungen: Schimmel-Pünktchen oder feuchte Falze?
- Außenwandecken: dunkle Punkte, abblätternde Farbe, „speckige“ Tapete?
- Unter Teppichen: Geruch besonders stark, Filz/Rücken fühlt sich feucht an?
Schritt 4: Abflüsse und Siphons prüfen (10 Minuten, oft übersehen)
Kellergeruch wird häufig mit Kanalgeruch verwechselt. Prüfen Sie alle selten genutzten Abläufe: Bodenablauf, Gäste-WC, Waschtisch, Badewanne, Waschmaschinenanschluss.
- Siphon trocken? Dann fehlt die Wassersperre: 0,5-1 Liter Wasser einlaufen lassen.
- Waschmaschinenstandrohr: sitzt der Schlauch dicht, riecht es direkt am Anschluss?
- Überlauf im Waschbecken: dort sammeln sich Biofilme, riechen süßlich-muffig.
Sofortmaßnahmen: Geruch schnell senken, ohne das Problem zu verstecken
Wenn es akut ist (Besuch, Home Office, Schlafqualität), können Sie kurzfristig stark verbessern. Wichtig: Sofortmaßnahmen ersetzen nicht die Ursachenbehebung, aber sie verschaffen Luft.
1) Richtig lüften: nach Wetter, nicht nach Gefühl
Bei Kellergeruch ist das Lüften der häufigste Hebel und der häufigste Fehler.
- Winter/Übergang: 2-4x täglich Stoßlüften 5-10 Minuten, Heizung danach wieder an.
- Sommer: Lüften nur, wenn Außenluft kühler/trockener ist (morgens früh, nachts). Tagsüber Fenster in feuchten Warmphasen eher geschlossen halten.
- Bad/Küche: nach Feuchteproduktion sofort abführen (Fenster weit auf oder Lüfterlaufzeit verlängern).
2) Luftzirkulation an Problemwänden herstellen
Geruch sitzt oft in der kalten Ecke hinter Möbeln. Schaffen Sie Abstand und Luftbewegung.
- Möbel an Außenwänden: 5-10 cm Abstand, bei großen Schränken eher 10-15 cm.
- Rückwände von Schränken punktuell öffnen oder Lüftungsgitter nachrüsten.
- Teppiche in Problemzonen testweise entfernen (2 Wochen): sinkt der Geruch deutlich, ist der Teppich ein Speicher.
3) Geruchsspeicher gezielt reinigen
Reinigen Sie nicht „alles“, sondern dort, wo Gerüche sitzen: Textilien, poröse Oberflächen, Biofilme.
- Polster/Teppiche: Nassreinigung nur, wenn Sie danach sicher trocknen können (sonst verschlimmern). Besser: Sprühextraktion + sofortiges Trocknen mit Luftstrom/Entfeuchter.
- Schrankinnenräume: mit 70% Isopropanol oder milder Sodalösung abwischen, dann komplett austrocknen lassen.
- Abflüsse: Überläufe und Siphons reinigen, Biofilm entfernen (Bürste).
4) Mobiler Entfeuchter: sinnvoll, wenn Sie ihn richtig einsetzen
Ein elektrischer Kondensationsentfeuchter hilft, wenn Sie echte Feuchteüberschüsse haben. Für 50-80 m2 Wohnung sind oft 10-20 Liter/Tag Geräteklasse passend, abhängig von Raumtemperatur.
- Tür zum Problemraum schließen, Gerät zentral stellen, 24-48 h laufen lassen.
- Ziel: rF stabil unter 55-60% bekommen, nicht „Wüste“ erzeugen.
- Wenn der Tank extrem schnell voll wird: Das ist ein Hinweis auf echte Feuchtequelle oder falsches Lüften.

Dauerhafte Lösungen: Was wirklich hilft, je nach Ursache
Jetzt kommt der Teil, der langfristig Ruhe bringt. Wählen Sie den Strang, der zu Ihrer Diagnose passt.
A) Sommerlüftung macht es schlimmer: Taupunktproblem an kalten Wänden
Typisch in Erdgeschoss, Altbau, Nordseite, ungedämmte Außenwände. Warme Luft trägt viel Feuchte. Trifft sie auf kalte Wandflächen, kondensiert Wasser in Tapete/Putz.
- Lüftungszeiten umstellen: nur früh/nachts querlüften, tagsüber geschlossen halten.
- Oberflächentemperatur erhöhen: moderat heizen, kalte Ecken nicht auskühlen lassen.
- Möblierung anpassen: Abstand, keine dichten Möbelrückwände direkt an Außenwand.
- Wenn möglich: Innendämmung nur fachgerecht (Feuchteführung, Anschlüsse). Als Minimalmaßnahme eher kapillaraktive Systeme als „Plastik“.
B) Muffig aus dem Boden/Sockel: Feuchte im Estrich, Fugen oder Sockelbereich
Geruch aus Sockelleisten, Laminatfugen oder Teppichkanten kann auf Restfeuchte, kleine Leckagen oder kapillar aufsteigende Feuchte hinweisen.
- Prüfen: Silikonfugen an Dusche/Wanne, Waschmaschinenanschluss, Heizungsrohre, Fensterbankanschlüsse.
- Wenn Boden „arbeitet“, sich wölbt oder die Fuge dunkel wird: Bodenbelag lokal öffnen lassen (Hausverwaltung/Fachbetrieb).
- Bei Mietwohnung: Dokumentieren (Datum, Messwerte, Fotos) und Vermieter informieren. Nicht einfach überstreichen.
C) Geruch aus Schränken an Außenwänden: Mikroklima-Problem
Ein großer Kleiderschrank an der Außenwand ist ein Klassiker: Die Wand dahinter ist kalt, Luft steht, Feuchte steigt, Textilien nehmen Geruch an.
- Schrank 10-15 cm vorziehen, unten ggf. Filzgleiter oder Distanzklötze.
- Lüftungsöffnungen: oben und unten je 2-4 Gitter (z.B. 60-80 mm) für Kamineffekt.
- Rückwand austauschen: statt dünner Hartfaser eine diffusionsoffenere Lösung (z.B. gelochte Platte) kann helfen, wenn die Wand trocken ist.
- Textilien: nur komplett trocken einräumen, keine nassen Handtücher im Schrank „zwischenparken“.
D) Kanalähnlicher Geruch: Siphon, Abfluss, Unterdruck
Wenn der Geruch „faulig“ ist und aus Bad/Küche kommt, ist es oft kein Kellergeruch. Trotzdem wirkt es in der Wohnung ähnlich.
- Siphons füllen und reinigen, selten genutzte Abläufe regelmäßig wässern.
- Bei Unterdruck (z.B. starke Dunstabzugshaube ohne Zuluft): kann Geruch aus Abflüssen gezogen werden. Zuluft schaffen (Fenster kippen reicht oft nicht).
- Dichtungen am HT-Rohr, Wandanschlüsse, WC-Manschette prüfen lassen.
Material- und Renovierungstipps: Was Sie tauschen sollten und was nicht
Manches speichert Geruch so stark, dass Reinigen nicht reicht. Gleichzeitig ist „alles neu“ selten nötig.
Was oft ein Geruchsspeicher ist
- Alte Teppiche (v.a. Schaumrücken), Teppichkleber
- Offene Spanplatten in feuchten Zonen (Schrankböden, Podeste)
- Gipskarton, der über längere Zeit feucht war (kann muffig bleiben)
- Tapeten in Außenwandecken (wenn wiederholt Kondensat anliegt)
Was Sie erst nach Ursachenklärung machen sollten
- Anti-Schimmel-Farbe auf Verdacht: hilft nur, wenn Feuchte weg ist
- Neue Möbel direkt an kalte Außenwände stellen: Risiko wiederholt sich
- „Geruchskiller“ als Dauerlösung: kann Material und Gesundheit belasten
Praktischer Mini-Plan für ein Wochenende
- Tag 1: Messwerte aufnehmen, Problemzone definieren, Abflüsse prüfen, Möbel abrücken
- Tag 2: Textilien/Teppiche testen (raus oder reinigen), Entfeuchterlauf 24 h, Schrankinnenräume reinigen und austrocknen
- Tag 3: Lüftungsroutine nach Wetter festlegen, ggf. Lüftungsgitter nachrüsten, Messwerte vergleichen
Podsumowanie
- Geruch ist meist ein Feuchteproblem: Ziel ist dauerhaft unter 55-60% rF zu bleiben.
- Diagnose zuerst: Problemzonen, rF/Temperatur, Abflüsse und kalte Flächen prüfen.
- Sommerlüften kann schaden: nur lüften, wenn Außenluft wirklich trockener ist.
- Möbel an Außenwänden: 5-15 cm Abstand und Luftzirkulation verhindern Schrankmuff.
- Geruchsspeicher (Teppich, Textilien, Biofilme) gezielt reinigen oder konsequent ersetzen.
- Bei Verdacht auf Leckage/Estrichfeuchte: dokumentieren und Fachbetrieb/Vermieter einschalten.
FAQ
Wie erkenne ich, ob es Kellergeruch oder Kanalgeruch ist?
Kanalgeruch kommt meist punktuell aus Abflüssen/WC, ist faulig und stärker bei Unterdruck (Dunstabzug). Kellergeruch ist eher muffig und sitzt in Ecken, Schränken, Textilien.
Hilft ein Luftreiniger mit HEPA gegen Kellergeruch?
Er kann Partikel und teilweise Schimmelsporen reduzieren, aber Geruch durch Feuchte löst er nicht. Wenn rF hoch bleibt, kommt der Geruch zurück. Priorität: Feuchte senken und Quellen beseitigen.
Was ist ein guter Zielwert für Luftfeuchte in Schlafzimmern?
Ideal sind etwa 40-55% rF. Kurzzeitig mehr ist ok, aber dauerhaft über 60% rF erhöht das Schimmelrisiko deutlich, vor allem an Außenwänden und hinter Möbeln.
Wann muss ich den Vermieter informieren?
Wenn Sie wiederkehrend hohe Feuchte, sichtbare Schimmelpunkte, feuchte Sockelzonen, wölbende Böden oder Verdacht auf Leckage haben: sofort schriftlich melden, Messwerte und Fotos beilegen.



