Infrarot-Heizpaneele richtig planen: Komfortwärme ohne Schimmel und ohne Stromfresser-Falle

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Warum Infrarot im Alltag funktioniert - und wo es oft scheitert

Infrarot-Heizpaneele erwärmen nicht primär die Luft, sondern Oberflächen: Wände, Boden, Möbel und Ihren Körper. Das fühlt sich schnell angenehm an, gerade in Altbauzimmern mit zugigen Ecken oder in selten genutzten Räumen. Der typische Fehler: Man installiert ein Paneel wie einen „Elektro-Heizkörper“ nach Bauchgefühl, wählt zu wenig Fläche oder montiert es an die falsche Wand. Dann läuft es lange, die Luft trocknet gefühlt aus, und kalte Außenwände bleiben trotzdem kühl.

Richtig geplant kann Infrarot aber sehr praktisch sein: punktuell Wärme am Arbeitsplatz, schimmelfreundliche Ecken temperieren, Bad schnell „anknipsen“. Entscheidend sind drei Dinge: ausreichende Paneelfläche, clevere Platzierung (Strahlrichtung) und eine Steuerung, die nicht permanent Vollgas gibt.

In deutschen Wohnungen mit 2,40 bis 2,60 m Deckenhöhe und typischen Raumgrößen von 10 bis 25 m2 lässt sich das gut berechnen und sauber umsetzen, ohne Trial-and-Error.

  • Schimmelrisiko-Ecke vorhanden? Ja/Nein
  • Raum wird täglich genutzt (Wohnzimmer/Homeoffice)? Ja/Nein
  • Außenwandanteil hoch (2 Außenwände oder große Fensterfront)? Ja/Nein
  • Sie können ein Thermostat mit Bodensensor/IR-Sensor einsetzen? Ja/Nein
  • Sie haben Platz an Decke oder oberer Wandzone ohne Abschattung? Ja/Nein
  • Stromtarif und Verbrauch sind transparent (Smart Meter/App)? Ja/Nein
Wohnzimmer mit Decken-Infrarotpaneel über Sitzbereich, helle Wände und dezente Einrichtung für gleichmäßige Strahlwärme
Deckenmontage verteilt Strahlwärme gleichmäßig in der Aufenthaltszone.

Leistung und Paneelgröße: so dimensionieren Sie ohne Rätselraten

Bei Infrarot zählt nicht nur Watt, sondern Strahlfläche. Ein kleines Paneel mit hoher Leistung kann punktuell „heiß“ wirken, verteilt aber zu wenig Strahlung im Raum. Besser ist oft: etwas mehr Fläche mit moderater Leistung.

Praxiswerte als Startpunkt (keine Laborwerte)

Nutzen Sie diese Spanne als grobe Planung und korrigieren Sie nach Gebäudestandard:

  • Neubau/KfW-Standard, gute Dämmung: ca. 35 bis 55 W/m2
  • solider Bestand (90er bis 2010er), normale Fenster: ca. 55 bis 75 W/m2
  • Altbau/hohe Decken, Außenwände, größere Undichtigkeiten: ca. 75 bis 110 W/m2

Beispiel: 14 m2 Schlafzimmer im Bestand, 65 W/m2 Zielwert - das ergibt rund 910 W. Das kann ein großes Paneel (z.B. 900 bis 1000 W) sein oder zwei kleinere (z.B. 2 x 450 W) für bessere Flächenabdeckung.

Wann zwei Paneele besser sind als eins

  • langer Raum (z.B. 5,5 x 3 m), Wärme soll gleichmäßig sein
  • Arbeitsplatz plus „Sofazone“ sollen beide Strahlwärme abbekommen
  • Außenwand-Ecke braucht gezielt Temperatur (Schimmelprävention)

Stromkosten realistisch einschätzen (damit es kein Schock wird)

Rechnen Sie mit realen Laufzeiten, nicht mit „läuft ja nur kurz“:

  • Formel: kWh = kW Leistung x Betriebsstunden
  • Kosten: kWh x Arbeitspreis (häufig 0,30 bis 0,45 EUR/kWh)

Beispiel: 0,9 kW Paneel, im Winter 5 Stunden/Tag im Mittel (Thermostat geregelt) - 0,9 x 5 x 30 Tage = 135 kWh/Monat. Bei 0,35 EUR/kWh sind das ca. 47 EUR/Monat. Das ist kein „gratis Komfort“, aber oft akzeptabel für einzelne Räume oder Übergangszeiten.

Platzierung: Strahlrichtung schlägt „schöne Optik“

Infrarot wirkt dort, wo es „sehen“ kann. Ein Paneel hinter Vorhängen, über einem hohen Schrank oder seitlich am Sofa vorbei bringt deutlich weniger. Ziel ist: freie Sicht auf die Aufenthaltszone und/oder kühle Flächen.

Decke vs. Wand: schnelle Entscheidung nach Raumtyp

  • Deckenmontage: ideal für gleichmäßige Verteilung, freie Wände, weniger Blendwirkung, gut im Bad und Homeoffice
  • Wandmontage (oberes Drittel): gut, um Außenwände gezielt zu temperieren, funktioniert auch bei Dachschrägen
  • nie „fußhoch“ wie ein Radiator: Strahlung trifft dann Möbel, nicht die Zone

3 typische Platzierungsfehler aus echten Wohnungen

  • Paneel gegenüber Fensterfront: Strahlung trifft Glas, Effizienz sinkt. Besser seitlich oder so, dass Sofa/Arbeitsplatz im Strahlkegel liegt.
  • Paneel über Schrankwand: Wärme „parkt“ auf Möbeloberflächen, Sitzbereich bleibt kühl.
  • Paneel in Raumecke: großer Anteil der Strahlung geht an kurze Wandabschnitte, wenig Nutzen. Ecken eher indirekt durch Wandtemperierung lösen.

Schimmel-Ecken: Infrarot als Baustein, nicht als Ausrede

Wenn eine Außenwandecke auskühlt, kondensiert dort Feuchte. Ein Infrarot-Paneel kann helfen, die Oberflächentemperatur anzuheben. Das ersetzt aber nicht: Lüftungsroutine, ausreichende Grundtemperatur und ggf. bauliche Ursachenklärung (Wärmebrücke, undichte Anschlüsse).

  • Paneel so ausrichten, dass die betroffene Wandfläche „angeleuchtet“ wird
  • nicht nur kurz aufheizen: lieber moderate Solltemperatur mit Zeitprogramm
  • Hygrometer nutzen: Ziel 40 bis 55% rF im Winter (abhängig von Nutzung)
Wandmontiertes Infrarot-Heizpaneel im Badezimmer, aufgeräumt und hell, mit freier Strahlrichtung zur Nutzungszone
Im Bad zählt freie Strahlrichtung und eine saubere Zeitsteuerung.

Steuerung, Thermostate und Sensoren: damit das Paneel nicht durchläuft

Ohne saubere Regelung wird Infrarot schnell zum Dauerläufer. Die wichtigste Investition neben dem Paneel ist ein passendes Thermostat. Viele Paneele kommen ohne echtes Raumthermostat oder nur mit einfacher Funklösung.

Welche Regelung passt zu welchem Raum

  • Wohnzimmer: Wochenprogramm, Solltemperatur in Zeitfenstern, optional Fensterkontakt
  • Bad: kurze Boost-Zeiten (z.B. 30 bis 60 Minuten), danach Absenkung
  • Homeoffice: Start vor Arbeitsbeginn, Absenkung in Pausen, optional Präsenzsteuerung
  • Schlafzimmer: niedriger Sollwert, Fokus auf Wandtemperierung statt „heißer Luft“

Sensor-Placement: der unterschätzte Hebel

Wenn der Sensor falsch hängt, regelt das System falsch. Praxisregeln:

  • Sensor nicht direkt im Strahlfeld des Paneels
  • nicht neben Fenster, nicht über Heizquellen, nicht hinter Möbeln
  • ideal: Innenwand, ca. 1,2 bis 1,5 m Höhe, freie Luftzirkulation

Montage und Sicherheit: das sollten Sie in Mietwohnung und Eigenheim beachten

Infrarot-Paneele sind meist einfach zu montieren, aber nicht „irgendwie“. Sicherheit und Dauerhaltbarkeit hängen an wenigen Details.

Check: Untergrund und Befestigung

  • Beton/ Vollziegel: Standarddübel, auf Zuglast achten
  • Lochziegel: Siebhülse oder spezielle Dübel, sonst leiert es aus
  • Gipskarton: nur mit geeigneten Hohlraumdübeln und Lastverteilung, bei Decke möglichst in Unterkonstruktion
  • Abstand: Montage nach Herstellerangabe, besonders zu Vorhängen

Elektrik: Steckdose vs. Festanschluss

  • Steckdose: flexibel, gut für Nachrüstung, aber Kabel sauber führen (keine Stolperfallen)
  • Festanschluss: optisch sauber, oft sinnvoll im Bad, aber in Deutschland in der Regel Elektrikerarbeit

Im Bad gelten Schutzbereiche. Wenn Sie nicht sicher sind, lassen Sie Position und Anschluss von einer Fachkraft prüfen. Das ist günstiger als Ärger mit Versicherung oder Vermieter.

Raumbezogene Setups: konkrete Beispiele, die sich bewährt haben

Bad (6 bis 8 m2): schnell warm ohne Dauerheizen

  • Paneel an Decke oder hoher Wand, Strahlrichtung auf Dusch- und Waschbeckenbereich
  • Zeitprogramm: morgens 45 Minuten, abends 30 Minuten
  • Kombination mit Handtuchheizkörper (wenn vorhanden): Handtücher trocknen, Infrarot für Komfort

Homeoffice (10 bis 14 m2): Wärme dort, wo Sie sitzen

  • Punktuelle Strahlung auf Schreibtischzone, nicht auf Bildschirm (Blendung und Hitzegefühl vermeiden)
  • Sensor an Innenwand, nicht unter dem Paneel
  • Absenkung wenn Sie Termine außer Haus haben

Schlafzimmer (12 bis 18 m2): Wände temperieren, nicht „aufheizen“

  • Pla­tzierung so, dass Außenwandflächen Strahlung bekommen
  • niedriger Sollwert (z.B. 17 bis 19 Grad), gleichmäßig statt heiß
  • Hygrometer aufstellen, Lüften kurz und effektiv (Stoßlüften)

Typische Kaufkriterien: worauf Sie beim Paneel selbst achten

Vermeiden Sie Marketing-Features, die im Alltag wenig bringen, und achten Sie auf die Punkte, die Montage und Nutzung wirklich beeinflussen.

  • Abmessungen und Watt: passen sie zur Raumgeometrie und Zielzone?
  • Oberflächentemperatur: sicher in Haushalt mit Kindern/Haustieren, Herstellerangaben prüfen
  • Montageset: Decke und Wand möglich, ausreichend stabile Halter
  • Thermostat-Kompatibilität: Standard-Regelung nutzbar (z.B. via Zwischenstecker oder fest verdrahtet)
  • Schutzklasse fürs Bad: passend zur Montageposition
  • Garantie und Ersatzteile: Halter, Thermostat, Anschlusskabel

Podsumowanie

  • Leistung mit grobem W/m2-Richtwert planen und bei Altbau eher höher ansetzen.
  • Lieber mehr Strahlfläche (oder zwei Paneele) als ein kleines „Hotspot“-Paneel.
  • Paneel so montieren, dass Aufenthaltszone und/oder kalte Außenwände im Strahlfeld liegen.
  • Ohne gutes Thermostat und richtig platzierten Sensor steigen Kosten unnötig.
  • Bad und Mietwohnung: Schutzbereiche und Anschlussart sauber klären, im Zweifel Elektriker.

FAQ

Kann ich mit Infrarot eine komplette Wohnung heizen?

Technisch ja, wirtschaftlich hängt es stark von Dämmstandard, Strompreis und Regelung ab. In der Praxis ist Infrarot oft sinnvoll als Zonenheizung (Bad, Homeoffice, Gästezimmer) oder Ergänzung.

Wird die Luft bei Infrarot „zu trocken“?

Infrarot entzieht der Luft keine Feuchte. Das Trockenheitsgefühl entsteht meist, weil höhere Temperaturen die relative Luftfeuchte senken. Ein Hygrometer hilft, realistisch zu lüften und bei Bedarf moderat zu befeuchten.

Hilft Infrarot gegen Schimmel?

Es kann helfen, indem Oberflächen wärmer bleiben und weniger Feuchte kondensiert. Es ersetzt aber nicht Ursachenprüfung, korrektes Lüften und eine ausreichende Grundtemperatur.

Decke oder Wand: was ist besser?

Decke ist oft die beste Allround-Lösung für gleichmäßige Strahlung und freie Wände. Wandmontage ist ideal, wenn Sie gezielt eine kalte Außenwand temperieren möchten oder Dachschrägen die Decke einschränken.