Warum Flurlicht fast immer falsch ist und wie Sie es schnell verbessern
Der Flur ist Durchgang, Garderobe, Paketablage, Spiegelzone und nachts der Weg ins Bad. Trotzdem hängt oft nur eine einzige Deckenleuchte: zu dunkel an den Wänden, zu grell in den Augen, und an der Garderobe wirft sie harte Schatten.
Gutes Flurlicht besteht praktisch immer aus mehreren Lichtpunkten und klaren Zonen. Das klingt nach „großem Konzept“, ist aber oft mit 1-2 zusätzlichen Leuchten oder einer anderen Lichtverteilung erledigt.
Wichtig für deutsche Wohnungen: Viele Flure sind schmal (ca. 1,0-1,3 m) und lang (4-8 m), oft ohne Tageslicht. Hier zählt gleichmäßiges, blendfreies Licht und eine einfache Bedienung, idealerweise mit Sensor oder Szenen.
- Ist Ihr Flur länger als 4 m? Ja/Nein
- Gibt es eine Garderobe oder einen Spiegel im Flur? Ja/Nein
- Ist der Flur fensterlos? Ja/Nein
- Stören harte Schatten beim Anziehen (Jacke, Schuhe)? Ja/Nein
- Blendet die Deckenleuchte beim Blick nach oben? Ja/Nein
- Wird der Flur nachts genutzt (Kinder, Bad, Küche)? Ja/Nein
Auswertung: Ab 2x „Ja“ lohnt sich ein Zonen-Setup (unten beschrieben). Ab 4x „Ja“ sollten Sie zusätzlich mit Sensor/Nachtlicht und mehr indirektem Licht arbeiten.

Die 3 Lichtzonen im Flur: Weg, Funktion, Akzent
Planen Sie Ihren Flur wie einen kleinen Arbeitsbereich: Sie brauchen Grundhelligkeit zum Gehen, gezieltes Licht an der Garderobe und optional Akzente, damit der Flur nicht wie ein Tunnel wirkt.
Zone 1: „Weglicht“ für sichere Orientierung
Das Weglicht soll den Boden und die ersten 1-2 m Wandhöhe gleichmäßig ausleuchten. Ziel: keine dunklen Ecken, keine harten Kontraste.
- In schmalen Fluren funktionieren mehrere kleine Deckenleuchten oder 1-2 lineare Leuchten besser als ein einzelner „Teller“.
- Indirektes Licht (Up/Down, Wandfluter) reduziert Blendung deutlich.
- Abstand/Anzahl als Faustregel: Bei 5-7 m Flurlänge sind 2-3 Lichtpunkte sinnvoll, statt 1 zentraler.
Zone 2: „Funktion“ an Garderobe, Spiegel, Schuhbereich
Hier passieren die typischen Handgriffe: Schlüssel suchen, Schuhe binden, Outfit checken. Eine Deckenleuchte allein macht dabei oft Schatten unter dem Kinn oder direkt auf die Kleiderstange.
- Spiegel: Links und rechts am Spiegel ist meist besser als nur von oben. Alternativ eine Spiegel-Leuchte mit breiter Abstrahlung.
- Garderobe: Eine kurze Schiene oder ein Spot (gerichtet auf Jackenbereich) verhindert „dunkle Jackenhöhle“.
- Schuhzone: Besonders praktisch ist ein kleines, warmes Licht in Bodennähe (z.B. Steckdosen-Nachtlicht), damit niemand nachts das große Licht einschaltet.
Zone 3: „Akzent“ gegen den Tunnel-Effekt
Akzentlicht ist kein Luxus. Es macht den Flur optisch breiter und ruhiger, wenn es Flächen statt nur Punkte beleuchtet.
- Bild/Poster: Ein flacher Bilderstrahler oder ein Spot lenkt den Blick und glättet die Raumwirkung.
- Wandwaschung: Leuchten, die die Wand anstrahlen, lassen enge Flure größer wirken.
- Nische/Kommode: Eine kleine Tischleuchte (auch mit Smart-Stecker) wirkt wohnlicher als „nur Decke“.
Helligkeit, Kelvin, CRI: Konkrete Werte, die im Flur funktionieren
Wenn Sie nur „warmweiß“ kaufen, kann es trotzdem zu dunkel oder zu gelb werden. Drei Werte entscheiden, ob der Flur frisch, sicher und angenehm wirkt.
Lumen: Wie viel ist sinnvoll?
Für Flure ist gleichmäßiges Licht wichtiger als maximale Helligkeit. Als Orientierung:
- Kleiner Flur (ca. 3-5 m2): 600-900 lm Gesamtlicht reichen oft.
- Mittlerer Flur (ca. 6-10 m2): 1.000-1.800 lm, verteilt auf 2 Lichtpunkte.
- Langer Flur (10-15 m2): 2.000-3.000 lm, verteilt auf 3-4 Lichtpunkte oder lineare Leuchte.
Praxis-Tipp: Lieber mehrere Leuchten mit moderater Leistung als eine extrem helle. Das reduziert harte Schatten und Blendung.
Kelvin: 2700 K, 3000 K oder 4000 K?
- 2.700 K: Sehr wohnlich, gut bei Fluren, die direkt ins Wohnzimmer übergehen. Kann in fensterlosen Fluren „gelb“ wirken.
- 3.000 K: Meist der beste Standard im Flur: warm, aber klar genug für Spiegel und Garderobe.
- 3.500-4.000 K: Sinnvoll, wenn der Flur auch Arbeitszone ist (z.B. Abstellschrank, Putzschrank, Paketstation). Wirkt kühler.
Wenn Sie mischen: Halten Sie den Flur einheitlich (z.B. alles 3.000 K), sonst sieht es schnell „zusammengewürfelt“ aus.
CRI (Ra): Damit Kleidung und Haut nicht „falsch“ aussehen
- CRI 80: Standard, meist ok für Weglicht.
- CRI 90+: Empfehlenswert am Spiegel und an der Garderobe, damit Farben realistisch wirken (Marineblau vs. Schwarz ist sonst ein Klassiker).
Blendung vermeiden: Der wichtigste Komfortfaktor im schmalen Flur
In schmalen Fluren schaut man häufig direkt in die Leuchte, besonders beim Schuhe anziehen oder beim Türöffnen. Blendung macht selbst „hell“ unangenehm.
Woran Sie blendende Leuchten erkennen
- LED-Leuchtmittel direkt sichtbar, „Punktlicht“ ohne Diffusor
- Sehr klare Abdeckung (oder gar keine), Lichtquelle auf Augenhöhe beim Blick nach oben
- Zu enges Abstrahlverhalten: heller Spot, dunkle Umgebung
Was in der Praxis gut funktioniert
- Opal-Diffusor statt klarer Abdeckung
- Indirekte Abstrahlung (Up/Down, Wandfluter)
- Mehrere Lichtpunkte mit weniger Leistung je Punkt
- Dimmbarkeit für Abendbetrieb
Schalten ohne Stress: Bewegungsmelder, Dämmerung und „Nachtmodus“
Gerade im Flur merkt man sofort, ob die Bedienung passt. Hände voll, Kind auf dem Arm, Einkaufstüten, oder nachts halbwach. Hier sind einfache Automatiken oft die beste Investition.
3 bewährte Setups (ohne Smart-Overkill)
- Steckdosen-Nachtlicht: Dämmerungssensor + warmes, schwaches Licht (z.B. 5-20 lm). Ideal für Nachtwege.
- Deckenlicht mit Bewegungsmelder: Zeit auf 30-90 Sekunden, Sensitivität so, dass die Türbewegung reicht. Achten Sie auf „Nachlaufzeit“ und Erfassungswinkel.
- 2-Schalter-Logik: Hauptlicht normal, zusätzlich eine kleine Tischleuchte/LED an Smart-Stecker oder Zwischenstecker für „Abendlicht“.
Mietwohnung: Was ist ohne Elektro-Umbau realistisch?
- Leuchtmittel tauschen (heller, besserer CRI, passende Kelvin)
- Leuchte tauschen (wenn Deckenanschluss vorhanden)
- Zwischenstecker, Funk-Schalter, batteriebetriebene Sensoren
- Kabelkanal auf Putz, wenn zusätzliche Wandleuchte nötig ist (sauber geplant wirkt das ordentlich)

Konkrete Lichtpläne für typische Flure (mit Budgetrahmen)
1) Langer, schmaler Flur ohne Fenster (6-10 m2)
Ziel: gleichmäßig hell, ohne Tunnelgefühl.
- 2-3 Deckenleuchten oder 1 lineare Leuchte in der Mitte
- Zusätzlich 1 Akzent (Wandwaschung oder Bildspot) in der Flurmitte
- Nachtlicht an Steckdose nahe Schlafzimmer
Budget grob: 120-350 EUR (je nach Leuchten, ohne Elektriker). Wenn neue Leitungen nötig: Elektriker einplanen.
2) Mini-Flur im Altbau (3-5 m2) mit hoher Decke
Ziel: nicht „kellerig“, aber auch nicht blendend.
- Deckenleuchte mit breitem Diffusor, 800-1.200 lm
- Spiegelzone: kleine Zusatzleuchte oder seitliche Lichtquelle (CRI 90+)
- Wand in hellen, warmen Ton (off-white) hilft sichtbar mehr als „noch mehr Lumen“
Budget grob: 80-250 EUR.
3) Familienflur mit Garderobenwand und viel Nutzung
Ziel: Funktion + Robustheit + schnelle Bedienung.
- Grundlicht: 2 Lichtpunkte (Decke) oder Schiene mit 3 Spots
- Garderobe: 1 Spot auf Jackenbereich + 1 auf Schuhbank
- Bewegungsmelder oder „Auto-Aus“ per Timer, damit nichts stundenlang brennt
Budget grob: 150-450 EUR.
Häufige Fehler aus der Praxis und wie Sie sie vermeiden
- Nur eine zentrale Leuchte: führt zu Schatten und dunklen Enden. Lösung: 2. Lichtpunkt oder Akzent.
- Zu kalt (4000 K) im wohnlichen Bereich: wirkt klinisch. Lösung: 3000 K im Flur, kühler nur in Abstellzonen.
- Zu wenig Licht am Spiegel: Outfit checken wird schwierig. Lösung: CRI 90+ und seitliche Ausleuchtung.
- Blendende Spots: unangenehm im schmalen Gang. Lösung: Diffusor, indirekte Leuchten oder Spots anders ausrichten.
- Falsche Sensor-Einstellung: Licht geht zu schnell aus oder gar nicht an. Lösung: Nachlaufzeit 60-90 Sekunden, Empfindlichkeit testen.
Podsumowanie
- Planen Sie Flurlicht in 3 Zonen: Weg, Funktion (Garderobe/Spiegel), Akzent.
- Setzen Sie auf 3.000 K als sicheren Standard, CRI 90+ am Spiegel.
- Verteilen Sie Lumen auf mehrere Lichtpunkte statt eine „Sonne“ in der Mitte.
- Reduzieren Sie Blendung mit Diffusor und indirektem Licht.
- Nachtwege: kleines Dämmerungslicht ist oft besser als helles Deckenlicht.
FAQ
Wie hell sollte ein Flur mindestens sein?
Für kleine Flure reichen oft 600-900 lm Gesamtlicht. Bei langen Fluren planen Sie eher 2.000-3.000 lm, verteilt auf mehrere Leuchten, damit es gleichmäßig wirkt.
Welche Lichtfarbe ist im Flur am angenehmsten?
3.000 K ist in den meisten Wohnungen der beste Kompromiss: warm genug für Wohnlichkeit, klar genug für Spiegel und Garderobe. 2.700 K wirkt gemütlicher, kann aber schnell zu gelb erscheinen.
Sind Bewegungsmelder im Flur sinnvoll?
Ja, wenn sie richtig eingestellt sind: ausreichend Nachlaufzeit (ca. 60-90 Sekunden) und ein Erfassungsbereich, der das Betreten sicher erkennt. Ergänzend ist ein schwaches Nachtlicht ideal.
Was bringt CRI 90+ wirklich?
Am Spiegel und an der Garderobe sieht Kleidung farbtreuer aus. Das verhindert typische Fehlgriffe (scheinbar „schwarze“ Hose ist eigentlich dunkelblau) und lässt Hauttöne natürlicher wirken.